Der Missionsauftrag gilt allen Gläubigen


Die selbstunterhaltenden Missionswerke der Siebenten-Tags-Adventisten


Viele Kirchen haben sich zu Pastoren-, Fürsten- und/oder Priesterkirchen entwickelt, in denen das einfache Gemeindeglied nicht viel zu sagen hat. Das Gegenteil trifft auf die Adventgemeinde zu. Wenn nötig, funktioniert die Ortsgemeinde auch ohne Prediger. Wenn die Adventgläubigen von Gott den Auftrag erhalten haben, der ganzen Welt eine letzte Gnaden- und Gerichtsbotschaft zu verkündigen, dafür aber wenig Zeit und Geld zur Verfügung stehen, stellte sich die Frage, wie das möglich sein soll. Die Antwort: Jedes Gemeindeglied ist ein Missionar – nicht nur die hauptamtlich beschäftigten Prediger der Freikirche. Viele Gemeindeglieder haben das verstanden und bezeugen Christus deshalb „auf dem Marktplatz des Lebens“.

Ellen White schreibt: „Das Werk Gottes auf Erden wird erst dann vollendet werden, wenn sich die Männer und Frauen, die zur Gemeinde gehören, zusammenscharen, um zu arbeiten und ihre Bemühungen mit den Predigern und gewählten Leitern vereinen.“ Und in Bezug auf die Rolle der Prediger schreibt sie: „Die Prediger sollten nicht so sehr darauf hinarbeiten, Ungläubige zu bekehren, als Gemeindeglieder darin auszubilden, … für andere zu arbeiten.“1 Diesem Zweck dienen u.a. die Sabbatschule, die Heimatmissionsabteilung und zahlreiche selbstunterhaltende Missionswerke und -programme, auch Ministries genannt.

Solche Ministries oder Missionswerke sind missionarische oder auch humanitäre Organisationen, Gruppen und Aktivitäten, die von adventistischen Gemeindegliedern und Gruppen betrieben werden. Sie sind im In- und/oder Ausland aktiv. Die meisten haben sich als Vereine organisiert, einige sind aber auch nur lose zusammengestellte Gruppen – innerhalb von Gemeinden oder auch gemeindeübergreifend. Die bekanntesten dieser Missionswerke sind der evangelistische Fernsehsender 3ABM, die Fernsehmissionswerke Amazing Facts (Doug Batchelor) und It Is Written (John Bradshaw), die Kapellenbauorganisation „Maranatha International“ (Ein-Tags-Kapellen) und im deutschsprachigen Raum die Medienmissionswerke Amazing Discoveries und Amazing Recordings. Dazu gehören auch Gesundheitszentren wie „Die Arche“, das „TGM“ und die Bergpension „Sonnmatt“, aber auch solch international tätige Missionsorganisationen wie OCI (Outpost Centers International), „Adventist Frontier Missions“ und „Europe4Jesus“. Viele Aktivitäten dieser Art geschehen aber auch im Stillen. Zu ihnen gehören etwa Gruppen, die Hilfsgüter sammeln und nach Osteuropa oder Afrika schicken, Initiativen, die Waisenhäuser und Schulen betreiben oder die Kapellen bauen in Regionen, in denen die Gemeinde besonders schnell wächst. Die Liste ließe sich fast beliebig fortsetzen.

Alle diese Organisationen und Gruppen arbeiten im engen Schulterschluss mit der weltweiten Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten. Sie existieren zum Nutzen der Gemeinde; sie helfen mit, dass Menschen für das Reich und die Gemeinde Gottes gewonnen werden. Allerdings verwenden sie keine Zehntengelder, und sie greifen nicht auf Personalressourcen der Vereinigungen und Verbände zurück. D.h. sie sind selbstunterhaltend. Die „Madison School“ in Tennessee war die erste Einrichtung dieser Art. Ihre Gründer wollten die Ratschläge Ellen Whites konsequent umsetzen. An dieser Einrichtung, die bald überall in den USA Ableger hatte, ging es um Bildung, vorbeugende Medizin, Gartenbau, Evangelisation und ein gesundes, geheiligtes Leben auf dem Lande. Die Madison School war die einzige Einrichtung, bei der Ellen White je im Beirat saß. Warum? Weil sie dieses Konzept ganz unterstützen konnte.

Um eine harmonische Zusammenarbeit mit der Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten zu gewährleisten, gründete die Generalkonferenz im Jahr 1947 ASI, die „Adventistischen Selbstunterhaltenden Initiativen und Unternehmen“. ASI ist bis heute der anerkannte Dachverband all dieser Missionswerke. Im Laufe der Zeit kamen auch auf Gewinn ausgerichtete Unternehmen hinzu, die Adventisten gehörten, sowie adventistische Selbständige (dazu gehören Ärzte, Anwälte, Steuerberater, Unternehmensberater, Architekten, Apotheker etc.) und leitenden Angestellte. Als ASI-Mitglieder haben sie alle ein Anliegen: Die Verkündigung der dreifachen Engelsbotschaft und die Gewinnung von Seelen für die Ewigkeit.

Auch wenn es im deutschsprachigen Raum von Anfang an aktive und vom Heiligen Geist geleitete Gemeindeglieder gab, die als Einzelpersonen und in Gruppen oder Vereinen mithalfen, die Adventbotschaft zu verkündigen und so die Adventgemeinde zu unterstützen, ist diese Arbeit erst seit den späten 1980er Jahren unter dem Dach von ASI gebündelt. Heute gibt es im deutschsprachigen Raum – bei zunehmender Tendenz – über 290 ASI-Mitglieder bzw. Mitgliedsorganisationen und Unternehmen (Schweiz 70, Deutschland 180, Österreich 40). Das sind zum Großteil Missionswerke oder Ministries, die Christus lieben und die Menschen auf die baldige Wiederkunft Christi vorbereiten möchten.

Gott hat der Adventgemeinde die Verkündigung der dreifachen Engelsbotschaft anvertraut. Die unter ASI zusammengefassten Missionswerke existieren, um dies zu tun.

Gerhard Padderatz

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1 G. Oosterwal, Mission: Possible, 1972, 107; E. White, 9T (1909), 117; E. White, Gospel Worker, 1915, 196.